Milo Barus

Bruno Bauer

Bruno Bauer
Am 6. September 1809 wurde Bruno Bauer in Eisenberg als Sohn des Porzellanmalers Friedrich Wilhelm Bauer geboren. Seine Mutter war Eleonore Caroline Wilhelmine geborene Reichardt, eine Tochter von Friedrich Carl Reichardt, einem Hofadvokaten und Auditeurs im Infanterieregiment Altenburg. Im Jahr 1815 berief man Bruno Bauers Vater nach Charlottenburg in Preußen. Dort wurde ihm in der Königlichen Sanitätsgeschirrfabrik eine erweiterte Werkstatt übertragen, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1853 tätig war. So wuchs Bruno Bauer nach seiner frühen Kindheit in Eisenberg ab 1815 nahe Berlin auf.

Der begabte Bruno war der Stolz seiner Eltern, besuchte das Gymnasium und begann 1828 an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin ein Studium der Theologie. Bruno wird in diesen Jahren als junger Mensch geschildert, der mit Ernst und intensiv lernt, aber zum Grübeln neigt. Seine schwächliche körperliche Gesundheit brachte auch eine seelische Empfindlichkeit hervor.

Ostern 1828 begann er mit dem Theologiestudium an der Berliner Universität und wurde dort zum überzeugten Anhänger der Hegelschen Lehre. Nach bestandenem Lizentiaten-Examen habilitierte sich Bruno Bauer am 15. März 1834 als Privatdozent für Religionsphilosophie und Altem Testament an der theologischen Fakultät der Berliner Universität.
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Aktiv nahm Bruno Bauer an den sogenannten Doktorklubs teil. Bei diesen Klubs handelte es sich um ungezwungene philosophisch-literarische Zirkel. Der Gedankenaustausch in diesem Kreis übte auf Bauers Entwicklung und seine zunehmend kritische Haltung in theologischen Fragen einen wesentlichen Einfluss aus. Er begann sich kritisch von den sogenannten Althegelianern abzugrenzen und wurde zu einem der Mitbegründer der linkshegelianischen Schule.

Am 9. April 1839 richtet Bauer eine Bewerbung an die Bonner Theologische Fakultät und noch im gleichen Jahr ging er nach Bonn, um dort als Privatdozent Vorlesungen über Theologie zu halten, wiederum in der Hoffnung auf eine Professur.

Anhand von Publikationen und aus dem Briefwechsel mit seinem Bruder Edgar lässt sich Bauers Metamorphose vom spekulativen Theologen zum latenten Atheisten im Sommer 1840 und letztlich zum atheistischen Philosophen verfolgen.

Rückblickend kann festgestellt werden, dass mit dem Tod des Hegelianers Minister Altenstein am 14. Mai 1840 und dem kurz danach folgenden Tod des Königs Friedrich Wilhelm III. am 7. Juni 1840, Bruno Bauers Karriere endete. Aber sowohl Gegner als auch Freunde ergriffen für ihn publizistisch Partei.

Er kehrt nach Berlin zurück und schließt sich dort den sogenannten „Freien“ an. Einem Klub von Junghegelianern, der sowohl durch die Ansichten als auch das Auftreten seiner Mitglieder für Aufsehen sorgte. Insbesondere seiner Evangelienkritik verdankte Bauer, dass er in den Kreisen der Junghegelianer wachsende Achtung genoss und als einer der Hauptwortführer der radikalen Philosophie angesehen wurde. Friedrich Engels war 1841 nach Berlin gekommen um seinen einjährigen Militärdienst in der Garde-Artillerie abzuleisten und so schloss Engels auch Freundschaft mit Bruno Bauer und dessen Bruder Edgar.

Im Dezember 1843 gründete Bauer die Allgemeine Literaturzeitung, eine Monatsschrift, deren letzte Ausgabe im Oktober 1844 erschien. Hier entwickelte er in mehreren Artikeln seine „Theorie der Reinen Kritik“, die Karl Marx in seiner Polemik „Die heilige Familie“ (erschienen im März 1845), an der sein Mitautor Friedrich Engels nur in geringem Maß beteiligt gewesen war, als „Kritische Kritik“ verspottete. Bereits 1843/44 kam es, nicht zuletzt wegen der Marx‘schen Kritik an seiner Selbstbewusstseinsphilosophie, zum Bruch mit den linkshegelianischen Weggenossen. Bauer wandte sich der Geschichtsschreibung und der Politik zu.

Seit 1843 lebte Bruno Bauer zurückgezogen auf einem kleinen Landgut in Rixdorf bei Berlin.
Er hatte mit den Orthodoxen gebrochen und sich zu einem entschiedenen Atheisten entwickelt. Über das persönliche Leben von Bruno Bauer ist nur wenig bekannt. Ein Zeitgenosse beschreibt ihn als „kleinen, schmalen, kratzbürstigen jungen Mann“.

Existenznöte beeinflussen die wissenschaftlichen Arbeiten von Bruno Bauer im Zeitraum 1842-1882 erheblich. Er lebt nun von den kleinen Einnahmen aus publizistischen Beiträgen für Zeitungen, insbesondere für die Rheinische Zeitung. Die Redaktion derselben hatte im Oktober 1842 Karl Marx übernommen. Am 1. April 1843 sollte diese von der preußischen Regierung verboten werden. Er meint zunächst von seinen Einnahmen als freier Schriftsteller leben zu können; darin wird er jedoch enttäuscht. In rastloser schriftstellerischer Tätigkeit reiht Bauer Werk an Werk. Der materielle Druck hinderte ihn jedoch daran nur abgeschlossene Gedankengänge und ausgereifte Werke zu publizieren, selbst die Form seiner Veröffentlichungen litt darunter. So sah er sich z.B.1841 gezwungen den ersten Band seiner „Kritik der evangelischen Geschichte der Synoptiker“ vor dem Abschluss der Gesamtuntersuchung zu veröffentlichen.

Bruno Bauer starb am 13.April1882 an einer Lungenentzündung und wurde auf dem Jakobi-Friedhof in Rixdorf beigesetzt. Er wurde 72 Jahre alt.
Bei körperlicher und geistiger Gesundheit hatte er bis zuletzt, obwohl einsam in Rixdorf lebend, die Zeitgeschichte verfolgt.

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