Georg Kunze
Am 04. Januar 1880 wurde Georg Kunze in Schönfeld bei Leipzig geboren. Sein Vater war Textilarbeiter, seine Mutter war, wie viele Arbeiterfrauen damals, eine ungelernte Arbeiterin. Nach Beendigung der Schule erlernte er den Beruf des Buchbinders, doch zwangen ihn die damals in Deutschland herrschenden wirtschaft-lichen und sozialen Bedingungen schon bald seine Arbeitsstelle zu wechseln und so kam er im Jahre 1906 nach Eisenberg.Bei der Firma Thormeier in der heutigen August-Bebel-Straße war er zunächst als Etuismacher beschäftigt. Schon in dieser Zeit betätigte er sich politisch und nahm zum Beispiel aktiv am Etuisarbeiterstreik 1910 teil.
Georg Kunze heiratete am 08. Juli 1907 die Witwe Emma Eins, geborene Schuld und wohnte mit ihr in der Leipziger Gasse 18. Von 1914 bis 1918 war er als Soldat im I. Weltkrieg, die dort gemachten Erfahrungen prägten ihn entscheidend und festigten seine politische Ansichten.
Im Dezember 1918 wird in Eisenberg ein Ortsverein der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) gebildet, zu deren Gründungsmitgliedern Georg Kunze gehört. Im September 1920 bekennt sich die linke Mehrheit der USPD-Ortsgruppe Eisenberg zur III. Internationale und zum Anschluss an die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands). Daraufhin wird, unter maßgeblicher Beteiligung Kunzes, im Dezember in der Gaststätte „Busch“ in der Klosterlausnitzer Straße die Ortsgruppe der VKPD (Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands) gegründet, zu deren Vorsitzenden er gewählt wurde. Er übte diese Funktion von 1920 bis 1928 aus. Die Gaststätte „Zur Gucke“ in der Geraer Straße war das Parteilokal der KPD.
Auch bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches war Kunze aktiv als Mitglied der Arbeiterwehr und eines Aktionsausschusses beteiligt. In der Kommunalpolitik engagierte er sich ebenfalls stark und war von 1918 bis 1933 Mitglied des Stadtparlamentes. In mehreren Ausschüssen arbeitete er mit, so im Finanzausschuss, im Bauausschuss und war als dritter Beigeordneter als stellvertretender Bürgermeister ehrenamtlich tätig. Im November 1932 wurde er Vorsitzender des Stadtrates, da die KPD die Mehrheit der Sitze in der Stadtver-ordnetenversammlung inne hatte. In den Jahren 1932/1933 gab die KPD in Eisenberg die Zeitung „Die rote Einheit“ heraus, auch daran war Kunze entscheidend beteiligt und arbeitete auch redaktionell mit. Georg Kunze war aber auch ein geselliger Mensch, so war er Mitglied im Arbeitergesangsverein „Lyra“ und regte die Gründung eines Arbeiter-Turn- und Sportbundes an.
Durch sein politisches Engagement erhielt Georg Kunze in Eisenberg keine Arbeit mehr und so machte er sich in der Johannisgasse 8 mit einem Tabakwarenladen selbständig. Neben der Sicherung seines Lebensunterhaltes konnte er von hier aus auch die, seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten, illegale Tätigkeit der KPD organisieren.
Im Februar 1933 wurde Kunze erstmalig, gemeinsam mit anderen kommunistischen Funktionären, in Sicherheitsverwahrung genommen und im Eisenberger Amtsgericht (heute Polizeiinspektion Eisenberg) gefangen gehalten. Bis zum Jahr 1940 wurde er mehrmals verhaftet, musste jedoch immer aus Mangel an Beweisen freigelassen werden. Ein Handlungsreisender aus Naumburg denunzierte ihn schließlich und so wurde Georg Kunze 1941 festgenommen, nach Jena gebracht und dort zu einer Strafe im Zuchthaus Ichtershausen verurteilt. Dort verstarb er an den Folgen der erlittenen Misshandlungen am 15. Juli 1942.