Das Wetterkreuz zwischen Eisenberg und Königshofen
Bis zum Ende des 2. Weltkrieges stand auf der Höhe zwischen Eisenberg und Königshofen (Flur Königshofen), 150 m östlich von der Stelle, wo der von Gösen kommende Feldweg die Landstraße überquert, ein plumper, verwitterter Stein. Er befand sich an der nördlichen Seite dieses Feldweges, welcher auch als „Weinstraße“ bekannt ist. Es war ein Wetterstein, er war ehemals auf die Wasserscheide gesetzt worden und wurde das „Wetterkreuz“ genannt.
Der Sage nach sollen die Eisenberger, als ihre Stadt durch ein Unwetter schwer bedroht war, hinaus zu diesem Steine gezogen sein und durch Gebete die sich zusammenballenden Gewitter zerstreut haben. Eine Bauersfrau aus Königshofen sagte mir, ihre Großmutter habe des öfteren davon gesprochen, dass in früheren Zeiten der Königshofener Lehrer mit den Schulkindern zu diesem Steine gezogen sei, um für gutes Wetter zu beten. Alte Leute erzählen auch, dass vor langer Zeit mit einer aus Zeitz herangeholten Kanone am Wetterkreuz geschossen worden sei, um ein langanhaltenden Unwetter zu zerteilen und zu vertreiben. Professor Fischer berichtet über die Entstehung dieses alten Steinkreuzes folgenden sagenhaften Hergang: “Es hat einmal ein schreckliches Gewitter dagestanden, vierzehn Tage lang. Am sechsten Tage sind zwei Mönche hinausgegangen, die sind vom Wetter erschlagen worden; am zehnten ging noch einer, der wurde auch erschlagen. Deshalb ist das Kreuz gesetzt.“ Nach einer anderen Sage konnte man in der Geisterstunde auf der Weinstraße einen Mann ohne Kopf daherreiten sehen, der am Wetterkreuz halt machte und mit den Armen um sich schlug. Das soll ein alter Hegereiter gewesen sein, der im Grabe keine Ruhe finden konnte, weil er bei Lebzeiten die Leute, die er im Walde antraf, grausam drangsaliert und misshandelt und selbst arme alte Frauen und Kinder, die Holz auflasen, Beeren suchen oder Pilze sammeln wollten, mit Schlägen aus dem Walde gejagt hatte.
Als ich den Wettestein im Frühjahr 1957 besuchen wollte, konnte ich ihn nicht finden, obwohl mir Eisenberger Einwohner versichert hatten, dass ihr Wetterkreuz noch stehe. Ich erkundigte mich deshalb bei einem Bauern in Königshofen, der Feld in der Nähe hat. Dieser sagte mir, der Stein sei 1945 von amerikanischen Panzern umgedrückt und in den darauffolgenden Jahren dann noch gänzlich zerstört worden. Auf Grund dieser bedauerlichen Auskunft hielt ich den volkskundlich bedeutenden Stein für unwiederbringlich verloren. Die rührigen Eisenberger Heimatfreunde haben aber 1959 die Überreste des zertrümmerten Wetterkreuzes ausgegraben, mit Hilfe von Zement und Eisen wieder zusammengefügt und es mit Rücksicht auf die Bearbeitung der Felder vor an die Straße, an das Fichtenwäldchen bei der Ziegelei gesetzt, wo es als heimatkundliche Besonderheit hoffentlich noch lange stehen wird.
ENDE