Der Mönch und die Nonne im Eisenberger Schloßgarten
Schon vor Herzog Christian und besonders zu dessen Lebzeiten hielten in stiller Nacht in dem Schloßgarten zu Eisenberg ein Mönch und eine Nonne geisterhaften Umgang. Freilich sah der Schloßgarten damals viel dunkler und düsterer aus als jetzt. Statt der reinlichen, hellen Gänge breitete sich ein dichter Wald tief und schattig aus. Zahme Hirsche, die die Gemahlin des Herzogs selbst zu füttern liebte, sprangen lustig darin umher. Überall war tiefes, leise rauschendes Waldesdunkel. Auf dem schmalen Fußwege, der zwischen hohen Obstbäumen von dem nunmehr ebenfalls verschwundenen chemischen Laboratorium Herzog Christians bis zu einem versteckten Pförtchen in der Schlossmauer führte, schritten des Nachts, sobald die Uhr der Schloßkirche die elfte Stunde gebrummt hatte, zwei bleiche Schatten, eine Nonne in grauem Klostergewand und ein Mönch in schwarzer Kutte, leise und schweigend dahin. Geräuschlos tat sich das alte Pförtchen, da sonst immer so hässlich in den Angeln kreischte, vor den Nachtwandlern auf; dann noch einige Schritte nach dem Schlosse zu, und spurlos waren sie verschwunden, als hätte sich die Erde aufgetan und sie verschlungen. Die Nonne verließ niemals ihren gewöhnlichen Weg; den Mönch aber sah man auch bisweilen an anderen Orten der Stadt außerhalb des Schlosses. Er soll noch lange nach des Herzogs Tode, ja sogar nach dem Tode der zweiten Gemahlin Christians, der Herzogin Sophie Marie im Jahre 1712, nachdem seine Gefährtin längst ihre nächtlichen Wanderungen eingestellt hatte, auf seinen alten Steigen, in den öden Gängen des Gartens oder auch in den verlassenen Zimmern des oberen Schlossteiles umhergeirrt sein.
ENDE