Eisenberg / Thüringen

Die Höhle im Speckberge

Zwischen Walpernhain und Pötewitz fließt ein Bach, dessen klares, von Forellen belebtes Wasser durch einen romantischen Grund der Elster zueilt. Auf der linken Seite erhebt sich der Speckberg, der eine interessante Kalkflora aufweist. Seine steilen Hänge sind von dichtem Buschholz bewachsen, überragt von stattlichen Eichen und Ulmen. Wie der Speckberg zu seinem Namen gekommen ist, darüber berichtet die Sage, die man sich in den benachbarten Dörfern erzählt.

An einem herrlichen Frühlingstage suchte eine Schar Kinder Blumen an den steilen Hängen des Speckberges. Zwei der Knaben hatten sich in ihrem Eifer etwas von den übrigen entfernt und hielten bereits einen stattlichen Strauß Himmelschlüsselchen in ihrer Hand. Bei ihrer Kletterei am steilen Berghang verloren sie einige der gesammelten Blumen. Kaum waren die Schlüsselblumen zu Boden gefallen, da tat sich vor ihren Augen der Berg auf. Sie sahen einen fast mannshohen Leingang zum Innern des Berges. Die beiden beherzten Knaben drangen mutig in den dunklen Gang vor, bis sie in einer geräumigen Höhle standen. Hier wurde es plötzlich hell, denn von allen Seiten umgab sie ein wunderbares, herrliches Leuchten, Flimmern und Funkeln. Ungeheure Gold- und Silberschätze erstrahlten von Decke und Wänden in märchenhaftem Glanze. Auf dem Boden lagen große Mengen Speck, von dem sie gern etwas mitgenommen hätten. Als die alles genau betrachtet hatten, meinte der eine: “Das wollen wir den anderen auch zeigen.“ Sie gingen zum Ausgang, um ihren Kameraden die Pracht zu zeigen. Da verschloss sich der Berg.

Nachdem sie alle wieder beisammen waren, suchten sie nach dem Eingang der Höhle. Doch soviel sie auch suchen mochten, sie konnten ihn nicht mehr finden.

ENDE