Die Nonne in der Eisenberger Mosterei
Nach den Bauernaufständen und der Bilderstürmerei hatte auch das Nonnenkloster zu Eisenberg in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts seinen letzten Tag gesehen. Seine Heiligtümer, insbesondere die zwölf goldenen Apostel, waren in der Erde verborgen worden, wo sie noch lange ein Gegenstand der Nachforschungen habsüchtiger Menschen blieben, zum Teil waren sie von den ausziehenden Nonnen mit fortgenommen worden.
Die Glocken waren auf den Turm der evangelischen Peterskirche gekommen. Das leerstehende Klostergebäude war zunächst herrenlos und geriet in Verfall.
In dieser Zeit kehrte ein Herr von Silbitz aus Kriegen unter Karls V. Fahnen nach der Heimat zurück. Sein erster Gang war nach dem Grabe einer Nonne, der Schwester Beate. Sie war die Liebe seiner Jugend gewesen, doch hatte sie nach dem Willen ihrer Eltern den Schleier nehmen müssen und war dann im Kloster früh dahingeschieden. Mit Mühe fand er das Grab. Er kaufte den ganzen Klosterhof und ließ ein stattliches Gebäude darauf errichten. Das Grab ließ er zu einer kleinen Kapelle umwandeln. Bald erfuhr man, dass ein in das neuerbaute Haus kunstvoll eingefügter drehbarer Stein einen Eingang zu dieser Kapelle verschließe und dass der Besitzer manche Nacht am Grabe der Geliebten zubringe. Dort fand man ihn eines Morgens selig entschlafen.
Von späteren Besitzern wurde vieles in dem Haus verändert, und zuletzt wurde es gar zur Meisterei (Scharfrichterei) umgeschaffen. Aber noch in späteren Jahren soll oft um Mitternacht im Silberlichte des Mondes die Gestalt einer Nonne gesehen worden sein, die, von dem Schatten eines Ritters geleitet, über die längst eingesunkenen Grabhügel dahinglitt und an der nordöstlichen Mauer der Meisterei verschwand.
ENDE