Die Teufelswiese bei den Ziegenböcken
Im Walde bei Klosterlausnitz lebte einmal ein junger adliger Jägersmann, der in dem Launsnitzer Nonnenkloster eine Verwandte des Bischofs zu Naumburg kennen gelernt hatte. Da er zu arm war, als dass er sich hätte Hoffnung machen können, sie dereinst heimzuführen, gab er sich durch schriftlichen Vertrag einem unbekannten Ritter, der sich Kreuzsteg nannte, als Vasall mit Leib und Seele zu eigen und erhielt von diesem das Geld, sich eine große Besitzung in der Gegend der Ziegenböcke, wo noch heute der einsame Gasthof steht, zu kaufen. Nun wagte er als Freier aufzutreten und ward mit seiner Werbung wohl aufgenommen.
In der Nacht zum ersten Mai sollte er dem Ritter von Kreuzsteg den ersten Vasallendienst tun. Der Ritter erschien im Mitternacht während eines gewaltigen Sturmes in des Jägers Behausung. Als der Jägersmann bei ihm anstelle des einen Fußes einen Pferdehuf erblickte, gruselte ihm vor seinem Lehnsherrn. Er weigerte ihm die Folge, bat um Zurücknahme des Gelde und um Lösung des Vertrages. Umsonst! Noch verhandelten sie, da kam, von unerklärlicher Angst getrieben, auch die Braut nach der Wohnung des Geliebten. Auch sie war gegen den Pakt. Wütend über den Widerstreit, den er gefunden, packte der Ritter beide, zerrte sie aus dem Hause und tötete sie durch einen Schlag des Hufes. Am Morgen fand man die Leichen auf einer nahen Wiese, beide war das Gesicht in den Nacken gedreht.
Seit der Zeit sieht man in jener Gegend allabendlich zwei Lichter tanzen, die ihren Weg nach der Wiese nehmen und dort verschwinden. Längst ist das Haus des Jägersmannes in Trümmer gesunken, aber die Lichter umkreisen die Stätte noch immer. Sie sind die Seelen der beiden Ermordeten, die nicht zur Ruhe kommen können. Die Wiese hat den Namen Teufelswiese, und alle vermeiden ängstlich, sich ihr zu nähern.
ENDE