Eisenberg / Thüringen

Die vier Spieler von Seifartsdorf

In Seifartsdorf waren einmal vier Spieler, die all ihr Hab und Gut verspielten und verprassten und Weib und Kinder darüber verderben ließen. Da trat, ehe es ganz zu spät war, ein guter Geist noch einmal an sie heran, klopfte an ihr Herz und drängte sie, abzulassen von ihrem Treiben. Und wirklich! Drei von den Spielern kehrten um von ihren Wegen, wandten sich wieder der Arbeit und ihrer Familie zu und wurden brave, tüchtige Leute. Der vierte aber verharrte bei seinem Treiben, ließ nicht ab von Spiel und Trunk und geriet immer tiefer in Laster und Elend. Da trat eines Abends geräuschlos ein unbekannter, unheimlicher Kriegsmann in das Zimmer der Schenke, wo der Spieler eben hitzig würfelte und viel dazu getrunken hatte. Der Fremde war angetan wie ein wilder, bärtiger Reitersmann, trug ein buntes Wams und einen kostbaren, langen Raufdegen an der Seite, hatte ein schlampiges Hütlein auf dem Kopfe und lange, rote Federn daran und einen weiten, faltigen Mantel um, auch hinkte er ein wenig, was er aber geschickt zu verbergen suchte. Der Fremde setzte sich zu dem Spieler, trank ihm zu und begann, mit ihm zu würfeln. Anfangs hatte der Reitersmann Unglück und verlor; doch bald ward es umgekehrt, und er gewann nun schnell das ganze bare Geld des Spielers bis auf den letzten Heller. Dieser aber ließ sich noch nicht warnen. In fieberhafter Spielwut hatte er in kurzer Zeit sein ganzes Hab und Gut, Haus und Hof und Feld an den Fremden verloren. Jedoch auch das war ihm noch nicht genug. Zuletzt setzte er sein Leben und seine Seele auf einen Wurf, und der andere nahm es an. Elf Augen warf der Spieler, und schon glaubte er das Spiel gewonnen. Der unheimliche Partner aber schüttelte ruhig den Becher; wie mit Donnergrollen rollten die Würfel auf den Tisch. Zwölf Augen hatte er geworfen und so das Spiel gewonnen.

Da ward es plötzlich still in der Stube, dann aber ging ein Sausen und Brausen durch das Haus, dass es in seinen Grundfesten erbebte. Der unheimliche Fremde ergriff nun mit krallender Hand den unglücklichen Spieler, schlug seinen weiten Mantel um ihn und fuhr unter Donner und Blitz mit ihm durch die Stube hinauf in die Luft.

Draußen aber vor dem Dorfe fand man am anderen Morgen des Spielers Kleider. Dort hatte er ihn zerrissen und ist mit ihm auf und davon gefahren.

ENDE