Eisenberg / Thüringen

Die Jakobskapelle

Nur wenige Minuten nördlich von der uralten Jakobseiche entfernt, liegt drinnen im dunklen Forste ein grünes, lauschiges Plätzchen. Das ist die Jakobswiese, im Volksmund die Jakobswiese genannt.

Hier stand einst eine Kapelle, die dem heiligen Jakob geweiht war. Sie diente dem vorüberziehenden Wanderer zu Andachtsverrichtungen. Andere erzählen, hier habe ein Einsiedler gewohnt.

Zeichnungen: Mario Schuster

Die Jakobskapelle soll zum Kloster Lausnitz gehört haben. Die gottesdienstlichen Verrichtungen lagen dem Pfarrer von Hainspitz ob, einem nördlich von der Jakobskapelle gelegenen Dorfe. Die Sage erzählt, die einsame Jakobskapelle sei ein Wallfahrtsziel der Bewohner des Dorfes Rauschwitz in der Abteil gewesen, wohin nach anderen Berichten dieses Kirchlein gehört habe. Nun lag aber die kleine Wallfahrtskapelle weit vom genannten Dorf entfernt, dazu tief drinnen im Wald des Jakobsgrundes versteckt. Da war es rein unmöglich, in Rauschwitz drüben das Betglöcklein von Sankt Jakob rufen zu hören. Darum wurde halbwegs zwischen Rauschwitz und der Jakobskapelle auf einem Häuschen ein Glöcklein angebracht. Dieses Glöcklein lud nun die Rauschwitzer zum Gottesdienst in dem einsamen Waldkirchlein ein. An der Stelle aber, wo jenes Glockenhäuschen sich befand, entstand mit der Zeit ein Dörflich, das den Namen „Klengel“ erhielt und diesen Namen noch heute führt.

Die Jakobskapelle wurde im Bruderkriege zerstört. Ihre Überreste wurden erst am Ende des sechzehnten Jahrhunderts abgebrochen und die Bausteine teils in Eisenberg, teils in Saasa beim Häuserbau verwendet. Spärliche Trümmerreste sind von Moos und Heidekraut überwachsen, und nur noch einige kleine, grüne Hügel bezeichnen die Stätte, an der die Sankt Jakobskapelle einst stand. Selten nur sucht heute ein Wanderer die einsame Waldwiese auf. Die meisten wissen diese Stätte auch nicht zu finden.

Der in der stillen Nacht hier Vorübergehende aber hört oft ein fernes dumpfes Glockenläuten von der nahen Jakobswiese her. Mahnend und ernst klingen die Töne durch den stillen Wald. Durch die düsteren Waldbäume hinter der alten Jakobseiche flammen goldigrote Lichter auf. Ein erleuchtetes Kirchlein taucht im tiefen Forste auf. Geräuschlos öffnen sich die Türen des Gotteshauses. Weißbärtige Mönche in langen, schwarzen Kutten tragen einen Sarg heraus, auf dem ein leuchtendes Christusbild liegt. Sie tragen einen toten Bruder zur letzten Ruhe und betten ihn ins Grab auf dem stillen Waldkirchhof. Dann verschwindet urplötzlich der Spuk. Schauerlich rauscht der Wald; der Wind biet die ächzenden Tannen hin und her. Hoch oben am Nachthimmel jagen seltsam vom Mondlicht beschiedene Wolkengebilde dahin.

Oft sieht der Wandersmann hier nachts auch blaue, hüpfende Feuerfunken durch das Waldesdunkel huschen. Auch ein Bär mit funkelnden Augen tappt hin und wieder durch den Forst und macht durch sein zorniges Brummen die Vorübergehenden furchtsam. Wer daher nachts die einsame Landstraße zieht, schaue sich in der Nähe der alten Jakobskirche nicht viel um, blicke nicht nach links und rechts, sondern fest vor sich hin und gehe ruhig seinen Weg. Er kümmere sich nicht um das, was um ihn vorgeht. So wird ihn der Spuk am wenigsten schrecken.

ENDE